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22. Juni 2022

Alleingeburt – zwischen natürlichem Ereignis und Fahrlässigkeit

Schon mal von einer Alleingeburt gehört? Hebamme Maria geht dem Thema auf den Grund und erklärt Beweggründe, weshalb sich Frauen diese risikoreiche Geburt wünschen.

Ich lese von Rosa, die ihr Kind gewollt alleine zu Hause zur Welt brachte. Auch einige andere Artikel und Posts geben mir im Zuge meiner Recherchen Aufschluss darüber, was der Beweggrund für diese Entscheidung sein könnte. Ich muss Recherche betreiben, da ich natürlich als Hebamme grundsätzlich zu Klientinnen Kontakt habe, die meine Dienste und meine Erfahrung sehr schätzen und als unterstützend erleben.

„Die Geburt ist ja ein natürliches Ereignis“ oder „Ich möchte selber entscheiden dürfen, wie, wo und mit wem ich mein Kind zur Welt bringe“ oder auch „Ich bin eine Frau und bin somit die Expertin für meine Geburt“ ist auf den diversen Foren für Alleingeburt zu lesen.
Diese Aussagen kann ich als Hebamme durchaus unterstreichen.

Allerdings verläuft das Leben – und auch eine Geburt – nicht immer so, wie man sich das wünscht und es erfordert dann doch ein Eingreifen in die Natur, eine Korrektur im Rahmen unserer heutigen medizinischen Möglichkeiten. In diesem Fall sollte man für die Möglichkeit dankbar sein, wenn auch auf Umwegen oder mit Hilfsmittel am Ende eine Geburt mit positivem Ausgang resultiert.

Ich überlege, warum es manchen Frauen nicht möglich ist, sich einer Hebamme oder dem Krankenhaus anzuvertrauen. Die Anzahl an Alleingeburten dürfte sich in Österreich etwa um die 10 Geburten/Jahr bewegen, wobei die Dunkelziffer mit Sicherheit höher ist.

 

„Schlechte Erfahrungen haben fast immer mit schlechter Kommunikation zu tun. Dass dies auch im gesundheitssektor vorkommt, lässt sich kaum bestreiten.“

Warum wünschen sich Frauen eine Alleingeburt?

Manchmal ist von schlechten Erfahrungen die Rede oder auch, dass (Hausgeburts-)hebammen bestimmte Wünsche, wie etwa ohne Herztonaufzeichnung zu entbinden, nicht erfüllen (können).
Dass man als Frau grundsätzlich auf ein natürliches Ereignis GEBURT fokussiert ist, ist nachvollziehbar. Dass es aber immer wieder auch zu (lebens-)gefährlichen Situationen für Mutter und Kind kommen kann auch.

Wie und was können wir Hebammen und Ärzt*innen dazu beitragen, dem Wunsch nach einer Alleingeburt entgegen zu wirken?
Unser Ziel muss es sein, das Vertrauen in die Fachpersonen, ins Gesundheitsystem und Krankenhaus zu stärken.
Schlechte Erfahrungen haben fast immer mit schlechter Kommunikation zu tun. Dass dies auch im Gesundheitsbereich vorkommt, lässt sich kaum bestreiten.

Aber demgegenüber stehen auch viele Positivbeispiele! Hebammen und Ärzt*innen, die sich für das Kinderkriegen einsetzen, die umsichtig und gefühlvoll agieren, die sich täglich fortbilden und dabei die Natürlichkeit der Geburt, die beeindruckenden Wunder, die die Natur bereitstellt, damit wir uns fortpflanzen können, nicht vergessen und in höchstem Maße respektieren.

 

„Der Unterschied zur Alleingeburt ist ein entscheidender: Die Hebamme kann im Notfall eingreifen.“

Was tun, wenn man bereits negative Erfahrungen gemacht hat

Ein guter Weg für Frauen, die bereits unangenehme Erfahrungen machen mussten und die jegliches Vertrauen in die professionelle Geburtsbegleitung verloren haben, ist sich ehest möglich in der Schwangerschaft eine Hebamme als Unterstützerin, als Wegweiserin, als emotionale, aber auch fachlich kompetente Verbündete zu suchen.
Paare/Frauen haben dann die ganze Schwangerschaft Zeit, gemeinsam mit der Hebamme die eigene, natürliche Geburt in einem für die Frau und das Kind sicheren Rahmen zu gestalten und zu planen.

In manchen Kliniken gibt es auch die Möglichkeit eine Geburtsbegleitung durch eine Hebamme zu haben, welche man in der Schwangerschaft bereits kennenlernt. Die Frauen/Paare wissen – wie auch bei einer Hausgeburt, begleitet von einer freipraktizierenden Hebamme – bereits vorher, wie und mit welchen Methoden die Geburtshelferin arbeitet.
Andererseits ist der Hebamme durch die Vorgespräche bekannt, was genau sich die Frau/das Paar wünscht, was ihnen wichtig ist, was sie vermeiden möchten etc.

Der Unterschied zur Alleingeburt ist aber ein ganz entscheidender: Die Hebamme kann im Notfall eingreifen, unterstützen und wenn erforderlich weitere Hilfe organisieren.

 

Angst vor Eingriffen während der Geburt

Was mir aber auch immer wieder in Gesprächen auffällt sind falsche oder unzureichende Informationen.
Leider werden zukünftige Eltern oft ungefragt mit subjektiven Geburts(horror)geschichten zugetextet. Wird dann dazu nie eine Hebamme oder eine Gynäkologin befragt, entstehen oft unwahre Vorstellungen.

„Wer nichts weiß, muss alles glauben“ (Marie von Ebner Eschenbach)

Unwissenheit und Uninformiertheit sind die Treiber, wenn es um das Thema Angst geht. Diese Ängste sind grundsätzlich häufig Schmerzen und schlimme Ereignisse bei der Geburt, oder sogar Tod von Mutter oder Kind.
Frauen, die Alleingeburten planen, beschäftigt aber eher eine Angst vor Interventionen, die sie nicht möchten. Diese Frauen plagt eine Grundskepsis gegenüber der großen und oft anonym wirkenden Krankenhauslandschaft, aber auch gegenüber dem gesamten Gesundheitssystem. Auch das Vertrauen in das Gesundheitspersonal ist so gering, dass Frauen in so einem Fall ein hohes Risiko für sich und ihre Neugeborenen in Kauf nehmen.

 

Jede Frau die eine Geburt schafft, ist eine Heldin

Meine Empfehlung, um solchen Irrtümern nicht ausgeliefert zu sein, lautet eine gute Geburtsvorbereitung durch eine Hebamme. Sie kann ein realistisches Bild einer Geburt wiedergeben und auf diese Weise viele Mythen und Ängste auflösen.
Auch das Bestreben mancher, es ganz alleine „schaffen“ zu wollen ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, denn jede Frau, die eine Geburt durchkämpft – unabhängig von der Art derselbigen – ist eine Heldin!

Abschließend möchte ich zweifelnde, werdende Mütter und Väter einladen, sich vertrauensvoll an eine Hebamme zu wenden und noch bevor der Wunsch nach einer Alleingeburt entsteht, Ängste, Erlebnisse, Zweifel und Wünsche anzusprechen und so die eigene Geburt zu einem wunderbaren, natürlichen Ereignis in einer sicheren, schützenden Umgebung werden zu lassen.

Hebamme Maria Guldner

Hebamme Maria Guldner

Maria Guldner praktiziert als freiberufliche und angestellte Hebamme in Oberösterreich. Ihre Schwerpunkte liegen in der Geburtsvorbereitung in Akupunktur und Akupressur. Sie ist eine der wenigen, die Geburtsbegleitung anbietet, dabei handelt es sich um die Möglichkeit, mit einer eigenen Hebamme ins Krankenhaus zu gehen. Die Mutter dreier Söhne sieht ihren Beruf als Berufung.
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