22. Oktober 2020

Geburtsvorbereitung – for what?

In unserer ersten Hebammensprechstunde erzählt Euch Hebamme Maria, warum eine selbstbestimmte Geburt nur mittels Vorbereitung möglich ist und was das ganze mit einem Tauchkurs zu tun hat. 🍀

Wir freuen uns sehr, dass ab sofort die Hebammen Maria & Klaudia sowie Kinderkrankenschwester Daniela für Euch über  Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung, Geburt und natürliche Babypflege schreiben.

Im ersten Beitrag erklärt Euch Maria, warum Geburtsvorbereitung mehr ist als gemeinsam auf Gymnastikbällen zu sitzen. Eine selbstbestimmte Geburt – der Begriff ist aktuell sehr populär –  ist nur dann möglich, wenn Frauen auch wissen, was auf sie zukommt. Im Fall eines Falles können mit diesem Wissen auch in Ausnahmesituationen gute Entscheidungen getroffen werden.

Wir wünschen Euch viel Freude mit Ausgabe 1 der „Naturkind-Hebammensprechstunde“!

PS: Habt ihr ein Thema, das Euch ganz besonders interessiert? Dann schickt es uns doch an: hebammensprechstunde@naturkind.com

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„dieses guppenhecheln können wir uns doch sparen,oder?“

„Das ist doch eh ein natürliches Ereignis! Da braucht man ja doch keine Anleitung.“ Mit solchen Aussagen sind wir Hebammen nicht selten konfrontiert. Was soll also so ein Geburtsvorbereitungskurs bringen?

Worum geht es uns Hebammen dabei?

Geburt ist sehr wohl ein natürliches Ereignis und der Prozess des Entbindens verläuft seit Anbeginn der Menschheit immer ähnlich. Allerdings unterliegen der Mensch und die Umwelt einem stetigen Wandel, der zu starken Veränderungen führt. Deshalb erweist es sich als sinnvoll, über diese Veränderungen und den derzeitigen Ablauf einer Geburt Bescheid zu wissen.

Wir Hebammen sind in der heutigen Zeit häufig mit Frauen und Paaren konfrontiert, die mit großen Ängsten, Paniken oder sogar psychischen Vorerkrankungen zu kämpfen haben. Bekanntlich ist Angst aber kein guter Berater! Aus diesem Grund ist ein Hauptziel der Geburtsvorbereitungskurse eben diese Ängste durch Informationen rund um die Geburt zu überwinden und den Paaren ein sicheres Gefühl mit auf den restlichen Weg zu geben.

Diese Informationen müssen jedoch fundiert sein und aus erster Hand stammen. Da Hebammen ausschließlich für das Arbeitsfeld Geburt und dem damit verbundenen Lebensabschnitt zuständig sind, können wir ausführlich über unseren täglichen Arbeitsalltag berichten. Dieser Austausch ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen gelungenen Geburtsvorbereitungskurs.

Leider werden Paare – besonders Schwangere – sehr oft mit Halbwissen von diversen Möchtegern-Expert*innen konfrontiert und können oft nicht einschätzen, welche dieser Infos und Berichterstattungen der Wahrheit entsprechen. Denn hin und wieder gewinnt die Sensationslust die Oberhand und die Geschichten rund um die erfahrene Geburt werden im Nachhinein ein wenig ausgeschmückt. Es kann jedoch nur jemand, der sich tagtäglich mit der Materie beschäftigt, einschätzen, was nun im individuellen Fall das richtige Vorgehen ist.

 

Ziel ist es Euch einen Plan mitzugeben

Mit einem Plan an der Hand könnt ihr sicher und ohne Ängste in die Geburt und die Zeit danach gehen. Folgende Themen sind für jede Schwangere wichtig:

  • Eine Strukturierung für die Zeit der Kerngeburt im Kreißzimmer.
  • Eine Antwort auf die Frage „Was mache ich während einer Geburtswehe.“
  • Eine grundlegende Vorbereitung auf das große Ereignis.
  • Maßnahmen, mögliche Medikamente (Schmerzmittel etc.) und die Ermöglichung der Einschätzung eben dieser.
  • Der Alltag mit dem Baby und auch die Fragen „Wie tickt ein Baby?“ und „Was braucht es?“
  • Eine Antwort auf die Frage, wie wir als Frauen wieder gesund und fit – vom Beckenboden bis zur Psyche – aus dem Ereignis Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett heraustreten können.

Selbstbestimmte Geburt – was steckt dahinter?

Diese beiden Schlagwörter werden häufig von Schwangeren als Wunsch an uns Hebammen herangetragen – gleichzeitig wird jedoch die Geburtsvorbereitung belächelt.

Wie aber sollen Schwangere bei einer selbstbestimmten Geburt für Entscheidungen mitverantwortlich sein, wenn sie keine Ahnung davon haben? Wie will man entscheiden, ob eine Maßnahme nun eine gute Idee ist oder diese womöglich in einem Desaster endet?

Selbstverständlich sind wir Hebammen in der Geburtssituation anwesend, um die werdenden Eltern in der Entscheidungsfindung zu unterstützen. Man muss jedoch zuvor bereits bestimmte Zusammenhänge verstanden haben, um selbst effizient bei der Mitgestaltung der eigenen Geburt teilhaben zu können.

Im Laufe eines Geburtsvorbereitungskurses nützt man die gegebenen Stunden, um sich für eines der wichtigsten Ereignisse eines Menschenlebens Zeit zu nehmen – um darüber nachzudenken, zu reflektieren und die aufkommenden Gedanken und Fragen mit einer Fachperson zu besprechen.

 

„Ich vergleiche diesen Prozess gerne mit dem Tauchen: Man kommt ja auch nicht auf die Idee, sich eine Tauchflasche und ein Tauchjacket umzuschnallen und mir nichts, dir nichts in den See zu hüpfen“

Die Geburtsvorbereitung ist ebenso wie der Tauchkurs unerlässlich, wenn ich erfolgreich und zu meiner Zufriedenheit entbinden möchte!

Dabei erweist es sich als nicht so wichtig, in welcher Form der Kurs stattfindet. Angeboten werden Gruppenkurse (meist zwischen 10 und 14 Paaren), Kleingruppenkurse (von 7 bis 8 Paaren oder weniger) oder auch Einzelgeburtsvorbereitung.

Im Laufe der Corona-Krise haben viele Hebammen auch die Möglichkeit des Online-Kurses entdeckt. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass dies wirklich gut funktioniert hat. Diese Online-Kurse werden selbstverständlich nur in Kleingruppen abgehalten, um eine intensive und individuelle Auseinandersetzung mit den Paaren zu gewährleisten.

Ich hoffe sehr, dass ich euch ein wenig für eine gute Geburtsvorbereitung begeistern konnte!

Hebamme Maria Guldner
Hebamme Maria Guldner
Maria Guldner praktiziert als freiberufliche und angestellte Hebamme in Oberösterreich. Ihre Schwerpunkte liegen in der Geburtsvorbereitung in Akupunktur und Akupressur. Sie ist eine der wenigen, die Geburtsbegleitung anbietet, dabei handelt es sich um die Möglichkeit, mit einer eigenen Hebamme ins Krankenhaus zu gehen. Die Mutter dreier Söhne sieht ihren Beruf als Berufung.
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